
Herrnbaumgarten
Herrnbaumgarten ist eine Marktgemeinde mit 926 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2025) im Bezirk Mistelbach in Niederösterreich. Die Fläche der Marktgemeinde umfasst 16,49 Quadratkilometer. Davon sind 49 Prozent landwirtschaftliche Nutzfläche, 30 Prozent Weingärten und 13 Prozent sind bewaldet.
Die Marktgemeinde Herrnbaumgarten liegt in einer Talsenke des Gfällbaches nordwestlich von Poysdorf nahe der Staatsgrenze. Die Region ist seit dem 17. Jahrhundert bekannt für seine qualitätvollen Weine. Der „Unterösterreichische Landeskompass“ des Jahres 1673 etwa sprach eine Empfehlung für diese Weine aus. 1850 wurde an den Zarenhof nach Moskau geliefert. Die „Exportschlager“ waren „Fornatsch“, „Vanaz“ oder „Frauendorfer“. Heute sind es Grüner Veltliner, Sylvaner, Neuburger und Rheinriesling.
Das Gebiet von Herrenbaumgarten war schon in der Jungsteinzeit besiedelt, wie Funde von Keramik- und Steinwerkzeugen (3000 v. Chr.) vom Bruckholzberg belegen. In der Nähe des Baches im Ortsbereich wurden eine vorchristliche Opferstätte mit Kultgegenständen, sowie eine Feuer- und Backstelle und eine Abfallgrube aus der Zeit um 2000 v. Chr. gefunden. Der Ortsname verweist auf einen „Obstgarten, Baumbestand“, der auf eine planmäßige Kultivierung schließen lässt. Der Zusatz „Herrn“ bezieht sich auf herrschaftlichen Besitz. (https://www.gedaechtnisdeslandes.at/orte/ort/herrnbaumgarten/
Geschichte und ihre Verbindungen zum Hause Liechtenstein
Die erste urkundliche Nennung findet sich als Poumgarten in der Schenkungsurkunde von Kaiser Heinrich III. an das Hochstift Passau vom 10. Juli 1056. Ausgrabungen aus der Bronzezeit und der jüngeren Steinzeit belegen jedoch, dass an dieser Stelle schon lange vor dieser Zeit eine Siedlung bestanden hatte.
In Herrnbaumgarten wird bereits 1186/1192 Liechtenstein Besitz erwähnt.
Ende des 12. Jahrhunderts wurde eine Burg, für die von Baumgarten errichtet.
„Die Hausberganlage mit weitläufiger Wehranlage ist vor allem auf dem Satellitenbild noch gut erkennbar. Seine Mauerreste sind in einigen Häusern erhalten. Im unteren Bereich des Pestbildes (1645) auf dem rechten Seitenaltar der Pfarrkirche zur Unbefleckten Empfängnis ist der turmartige Bau noch deutlich zu erkennen. Die Erdwälle wurden in der Folge eingeebnet und verbaut. Die Kellergasse (= „Langer Berg“) bildete nach einem Wall einen weiteren halbkreisförmigen Graben, an diesen anschließend befand sich ein zweiter (heute nicht mehr nachweisbarer) Wall. Im Haus Kellergasse 16 endete der Fluchtausgang der Burg. 1192 tauschte Wichard von Seefeld diesen Passauer Besitz gegen andere Güter ein. Ende des 12. Jahrhunderts nannte sich ein Zweig der Seefelder nach ihrem Sitz „von Baumgarten“. Wilhelm I. von Baumgarten gilt als Erbauer der Burg. In der Pfarrkirche, ein barockes Votivbild, 1.Hälfte des 18.Jh .; Pestbild mit Darstellung des Marktes Herrnbaumgarten, im Hintergrund die Ruine der ehemaligen Burg.

Um 1313 findet der erste Kaplan der Burgkapelle Erwähnung; in dieser wurde bis 1411 Gottesdienst gefeiert. 1429 wurde Herrnbaumgarten bereits als Pfarre genannt. Pilgrim von Streun kam 1352 in den Besitz der Herrschaft; diese ging in der Folge an die Liechtensteiner.“ (https://www.gedaechtnisdeslandes.at/orte/ort/herrnbaumgarten/
1237 scheint ein Chadold von Herrenbaumgarten als Zeuge auf (wahrscheinlich der Burgherr), als das Kloster Klosterneuburg ein verlorenes Dorf wieder erhält (ausgestellt am 1. Juni 1237 in Wien, Regesten, Klosterneuburg
1438 am 3.2 verleiht Herzog Friedrich, der spätere Kaiser, den Hof zu Herrnbaumgarten, den der verstorbene Symon Schyemer von Friedrichs Onkeln, den Grafen Hermann, Johann und Jörg, Brüder von Montfort, zu Lehen hatte, im Namen diesen Lehnsherrn dem Wolfgang Hertting (Falke 1.S.290).
Von den Herting dürfte dieser Hof an die mit ihnen verwandten Fünfkirchner übergegangen sein.
1553 verleiht der römische König Ferdinand 1.(1521- 1564) an Georg Hartmann 1. und die anderen Liechtensteiner folgende österreichischen Lehen: die Veste Herrnbaumgarten mitsamt dem Dorf und anderer Zugehörung. (Liecht.Archiv).
1570 teilten die sechs erbberechtigten Söhne (nach dem Tod Georg Hartmanns 1562) die Hinterlassenschaft. Herrnbaumgarten mit Schrattenberg und Ketzelsdorf erhielt Johann Septimus v. Liechtenstein (Liecht.Archiv), der in der Burg zu Herrnbaumgarten wohnte, nachdem er mündig geworden war. Das war das letzte Mal, dass auf der Burg herrschaftlich Hof gehalten wurde. Bisher weilten die Gutsherren fern, nur Burggrafen walteten auf der Veste. So wird 1481 Heinrich Garser Pfleger zu Paumgarten genannt. (Liecht.Archiv). (Liane Pec-Ortschronik Herrnbaumgarten. 1994. S38).
Johann Septimus studierte in Lausanne, unternahm zum Abschluss seiner Bildung eine längere Reise, die ihn auch in das Heilige Land führte.(Falke II.S.121).
1581 erwirkte er für Herrnbaumgarten die Bewilligung eines Marktes.
1591 kam alles wieder an Feldsberg zurück, und Herrnbaumgarten hörte wieder auf, der Mittelpunkt eines Gutsbezirkes zu sein. (Liane Pec-Ortscbronik Hermbaumgarten.1994.S.38).
Johann Septimus war sehr reich, sodass er öfters auch dem stets geldbedürftigen Kaiser mit Darlehen aushelfen konnte.
1590 laut Bereitungsbuch - Die Herren von Liechtenstein haben die Ortsobrigkeit (neben anderen Grundherren) und die überwiegende Grundherrschaft. Im Markt Herrnbaumgarten besitzen sie 99 von 103 Häusern. (Ingeborg Bogner-Die liecht.Herrscb.S.46 1.49).
1591 erbte er vom letzten seiner überlebenden Brüder von Georg Erasmus 120, Rabensburg und Hohenau samt den dazugehörigen Gütern. Da die Söhne seines Bruders Hartmanns II. 118 auch Ansprüche darauf hatten, kam am 28.8.1591 eine Vereinbarung zustande, nach der Hans Septimus für Rabensburg und Hohenau ihnen die Herrschaft Herrnbaumgarten samt den angegliederten Gütern überließ. Septimus verlegte seinen Wohnsitz nun nach Rabensburg Septimus gab ihnen noch dazu aus dem Rabensburger Besitz, wohl um den wahren Teilungswert zu erreichen, 29 Pfund 6 Schillinge und 7 Pfennige.
1593 kaufte er die Herrschaft STAUFF. Fortan führte er auf seinem Siegel den Titel : Herr von Liechtenstein-Nikolsburg auf Stauff und Herrn-Paungarten. (Liane Pec-Ortschronik Herrnbaumgarten.1994.S.38).
Im Jahre 1595 starb er als der letzte seiner Brüder, und das Erbe kam an die drej Söhne seines ältesten Bruders Hartmann IL., der allein Kinder gehabt hatte: Karl, Maximilian und Gundacker v. Liechtenstein.
1598 am 23 Juli zu Feldsberg hatten die drei Brüder Karl, Maximilian, und Gundaker v. Liechtenstein eine neue Schätzung der gesamten Familiengüter vorgenommen und danach den Anteil eines jeden festgestellt. Karl erhielt die Herrschaften Feldsberg und Herrenbaumgarten, deren Einkünfte auf 98.163 Gulden festgesetzt waren ...... (Falle NS.131)
Die weite Fläche hinter der Kapelle ist mehr eine Heide; die Mulden verraten uns, dass hier einmal ein Steinbruch war, der dem Fürsten Liechtenstein gehörte.
Die Herren von Liechtenstein holten sich von diesem Hügel die Bausteine für die Burg in Herrnbaumgarten, die dann im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde. Auch beim Bau des Meierhofes nahm die Herrschaft diese Steine.
Schon um 1620 führte der Fürst Karl von Liechtenstein durch Italiener hier die Seidenraupenzucht ein. (Veröffentlicht in: „Der Winzer“, März 1950, S. 35 + 36)
Die Burg wurde in den Hussitenkämpfen beschädigt. Endgültige Zerstörung 1645.
1636 oder 1657 dürfte der Neubau des Gotteshauses erfolgt sein, da die Gemeinde in einer Eingabe an den Fürsten am 11.12 1637 erwähnt, daß dieser für den Kirchenbau Holz und Material hergegeben, und der Pfarrer Geld dazu geliehen habe. Ob die heutige Pfarrkirche in ihrem älteren Teil von 1657 datiert. Ist nicht sicher, jedoch dürfe der Turm aus dieser Zeit stammen. (Liane Pre-Ortschronik Herrnbaumgarten 1994.5.118)
1669 Der Brand vom 5.Oktober vernichtete auch die mit Schindeln gedeckte Kirche. Pfarrer Ainetmaier bat 1670 den Fürsten um Baumaterial für die Kirche. Die Gemeinde unterstützte dieses Ansuchen mit der Bemerkung, dass die Liechtensteiner auch Stifter des alten Gotteshauses waren, Der Fürst gab taugliches Holz aus dem Baumgartner Wald. (Liecht Archiv Fasc.HB)

1795 laut Topographischen Landschematismus ist Herrnbaumgarten im Besitz der Liechtensteiner. Diese haben die Ortsobrigkeit und die alleinige Grundherrschaft.
1822 nach dem Topographischen Landschematismus besitzen die Liechtenstein die Ortsobrigkeit und die ausschließliche Grundobrigkeit. Zugehörig der Herrschaft Feldsberg
1836-1858 Alois II. Josef 272v.Liechtenttein. Mit ihnen endet die Reihe der Gutsherren.
Das Jahr 1848 brachte mit der Auflösung des Untertanenverbandes auch die Lösung von der Gutsherrschaft. Im Hause Liechtenstein hat Herrnbaumgarten stets menschlich denkende, für das Wohl der Untertanen besorgten Gutsherrn gehabt, die in den Tagen von Not und Krankheit stets geholfen haben. Auch in den späteren Jahren erfuhr die Gemeinde des Fürstens von Liechtenstein noch Förderungen und Unterstützung.

Das ehemalige Forsthaus in Herrnbaumgarten mit der gesamten Liegenschaft wurde von den Liechtensteinern verkauft und wird derzeit als privates Wohnhaus genutzt.
Nachdem 1882 auf Nr.85 schon eine Notklasse eröffnet werden musste, war ein Schulneubau dringend notwendig geworden - offen blieb die Platzfrage und die Geldbeschaffung, Fürst Johannes von Liechtenstein bot der Gemeinde an das Schulhaus, gegen Überlassung der Gemeindejagd durch 15 Jahre, zu bauen. Da die Gemeinde sich nicht entschließen konnte, änderte der Fürst sein Angebot. Er zahle 10.000 Gulden und erhalte die Jagd auf 25 Jahre von 1875-1900. Die Gemeinde nahm dies an.
1909 ließ Fürst Johann II. v. Liechtenstein das am Wege nach Poysbrunn gleich hinter dem Ort gelegene Schnattwaldl ausroden und die Gründe an die Bewohner verpachten.
Die an den Ort anstoßenden Parzellen wurden 1912 als Bauplätze verkauft.

Der Meierhof in Herrnbaumgarten wurde verkauft. Auf den umliegenden Grundstücken wurden die Bauplätze für die „Liechtensteinsiedlung“ geschaffen.
1975 wurde die Liechtensteinsiedlung angelegt.

Der Teich in Herrnbaumgarten - wurde 1976 von der Familie Liechtenstein an die Gemeinde verkauft und früher OMV Fischwasser ist derzeit leer.
1981 am 9.5. Ehrenringträger der Marktgemeinde Herrnbaumgarten -Fürst Franz Josef II von und zu Liechtenstein.
Zusammengestellt von Horst Obermayer MSc. nach Unterlagen von: Gedächtnis NÖ, Franz Thiel und einer Vorlage von Hans Huysza - Liechtenstein Museum Wilfersdorf
Sehenswürdigkeiten
Gallerie






