
Poysdorf
Im n ördlichen Weinviertel nahe der Grenze zu Tschechien liegt die Stadt Poysdorf, die in wirtschaftlicher Hinsicht seit Jahrhunderten vom Weinbau bestimmt wird und den Mittelpunkt des regionalen Anbaugebietes "Veltlinerland" bildet. Poysdorf ist einer der bekanntesten und bedeutendsten Weinorte Österreichs.
Fläche: 97,26 km²
Höhe: 225 m ü. A.
Einwohner: 5.600 (1. Jän. 2025)

Bild: Blick von Kirchturm © Herbert Ortner
Die Weinstadt Poysdorf entstand auf einem sehr geschichtsträchtigen Boden. Als die ersten Bauern vor mehr als 7000 Jahren sesshaft wurden, besiedelten sie das fruchtbare Poybachtal. Zahlreiche Funde aus der Jungsteinzeit und der Bronzezeit weisen darauf hin.
Der Weinbau hatte immer schon große Bedeutung im wirtschaftlichen und kulturellen Leben des Ortes der 1194 erstmals im Klosterneuburger Traditionskodex erwähnt wird. Nachweislich wird der Weinbau seit Beginn des 14. Jahrhunderts betrieben. Poysdorf besitzt mit der Riede Hermannschachern die älteste urkundlich erwähnte Weinriede Österreichs (1338).
Bereits im Mittelalter spielte der Weinbau eine bedeutende Rolle, 3. Februar 1358.
Interessant und für die Poysdorfer Geschichte bedeutsam ist ein Stiftungsbrief Hans v. Liechtenstein von Nicolsburg, des Herzogs Albrecht zu Oesterreich, Hofmeister, der für ein ewiges Frühamt zu der „chappelen unser Frawnn auf der Stellen zu Wienn“ (Schottenkirche), 30 Pfund und 36 Pfennige Münze Geldes widmet, die auf verschiedenen Gütern lagern, darunter in Poysdorf. (Franz Thiel „Mistelbach-Laaer Zeitung“, 28. März 1953, S. 5)
Im 15. und 16. Jahrhundert florierte die Weinwirtschaft. Eine lange Tradition hat auch der Ackerbau, bis heute wird das Umland von Poysdorf intensiv agrarisch genutzt. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde ein Brauhaus errichtet, das etwa hundert Jahre Bestand hatte. Mühlen wurden zumindest seit der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts betrieben, 1863 wurden zwei Dampfmühlen errichtet. Mit dem Decret des niederösterreichischen Landeschefs vom 7. Juli 1849 über die Durchführung der Gerichtsorganisation wurde der Gerichtsbezirk Poysdorf eingerichtet. Der Gerichtsbezirk wurde am 1. Juli 2002 aufgelöst und dem Gerichtsbezirk Laa an der Thaya zugewiesen.

Gerichtsgebäude Wienerstrasse 1 © Elisabeth Vavra
Der zu Beginn der Neuzeit aufstrebende Ort wurde 1582 von Kaiser Rudolf II. zum Markt erhoben. Durch die Nähe der Grenze zwischen den Kulturen Ost- und Mitteleuropas war Poysdorf wiederholt Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen mit den Ungarn, Schweden, Franzosen und Preußen. Doch bei einem guten Glas Wein lassen sich auch solche Meinungsverschiedenheiten leicht ausräumen. 1923, in einer Zeit schwerer Wirtschaftskrisen, wurde Poysdorf das Stadtrecht verliehen.

Bild Rathaus © Elisabeth Vavra
Liechtensteinbezüge
Nach der ältesten Nachricht über den Ort aus 1194/96 gab Rapoto v. Liechtenstein anlässlich der Aufnahme seiner Tochter Chuntze (Kunigunde) ins Frauenstift Klosterneuburg 2 Lehen zu Poysdorf an Klostemeuburg
Der Vogt der Pfarrkirche war das Haus der Liechtenstein, die seit 1186 in Poysdorf begütert waren.
1380 gehörte der Liechtensteiner Besitz zu ihrer Herrschaft Falkenstein.
1381 kaufte der Hofmeister Hans (Johann 1.) v.Liechtenstein Güter in Poysdorf vom Domkapitel zu St.Stephan/Wien. Mit diesen Gütern stiftete er 1391 ein Frühamt bei Maria am Gestade/Wien.
Seit 1381 wurde der Poysdorfer Besitz der Liechtenstein mit Ihrer Herrschaft Rabensburg verwaltet.
Seit 1414 Verwaltung der Güter von Feldsberg aus.
1417 vergrößerte sich der Liechtensteiner Besitz die Familie hatte bereits die Ortsobrigkeit - durch die Heirat einer Tochter Friedrichs v.Wallsee mit Hartneld IV, v. Liechtenstein.
1506 verlieh Kaiser Maximilian dem Wolfgang I. v. Liechtenstein den Sitz Prinzendorf mit allen Zugehörungen, sowie den Hof zu Poysdorf. (Falke l.S.39)
1523 wurde Erasmus v. Liechtenstein samt seinen Vettern von Ferdinand mit dem Hof von Poisdorf, der gefürsteten Freiung, den Zehnten und Gülten belehnt, desgleichen mit den Gülten, Wein- und Getreidezehnten zu Wilhelmsdorf. (Falke HI.S.34).
1525 erhielt Hartmann 1. v. Liechtenstein von König Ludwig von Ungarn als Markgrafen von Mähren die Belehnung mit den mährischen Gütern Nikolsburg. Maidburg, Dürnholz, Kostel, Lundenburg als Vertreter der Familie, und von König Ferdinand die Verleihung von Poisdorf mit Gülten und Zehnten, und desgleichen die Getreide= und Weinzehnten zu Wilhelmsdorf. (Falke II.S.80).
1537 ist in Poysdorf 1 liechtensteinische Ziegelei erwähnt.
1550 Vermutlich. Urbar Register- Herrschaft Wilfersdorf und Mistelbach : zu denen Erbauungen und Contracten samentlich denen Herr von Lichtenstein zeb: zugehörig, wie viel Haußgesessene, wie viel Gewandten Äcker und wieviel Viertel auf der Herrschaft sind, was sie ordinari steigend: und fallend: gesell jährlichen der Herrschaft dienen.
(52 Seiten gebunden im Herrschaftsarchiv Wilfersdorf - Heimatmuseum)


POYSDORF, OBERER HOF (FROSCHMÜHLE; VOGELSANGMÜHLE)
Der Freihof ist seit 1437 bezeugt. Abwechselnd gehörte das Obereigentum den Fam. Fünfkircher und Liechtenstein, Da aber die Hälfte des Hofes bzw. der zugehörigen Mühle dem KL.Tulln gehörte, dass vom Landesfürsten bevogtet wurde, gibt es Freibriefe der genannten Familien und des Landesfürsten für ihre Gefolgsleute auf dem Hofe ........ (Burgen u. Schlösser in NO. Birkent-Verlag.S.143).
1570 Sebastian I v. Liechtenstein erhält bel der Besitzteilung den Markt Mistelbach, die Dörfer Poisdorf, Lanzendorf und elnige andere ….
1590 laut Bereitungsbuch besitzen die Herren von Liechtenstein im Marchht Pollsdorf 28 von 123 Häusern und die Dorfobrigkeit, (Iregeborg BognenEse Liecbtenst Herrsch S.46)
Polsdorf - Ortsobrigkelt: Herr Johannes Septimius v. Liechtenstein. Weitere Grundinhaber - Bischof von Passau gen Königstetten, Hanns Bernhardt Fünfkirchen gen Steinebrunn, Jesuiten zu Wien, Kloster Tulln.
1596 Mit dem Ankauf des „oberen" und _unteren Freihofes" durch Fst. Karl v. Liechtenstein wurde die Vorherrschaft der Liechtensteiner endgültig gesichert.
1596 April 20, Feldsberg: Kaufvertrag zwischen Karl v Liechtenstein-Nikolsburg- für sich und seine Brüder Maximilian und Gundacker und Hans Bemhard Fünfkirchen zu Steinebrunn, wonach der Fünfkircher alle eigentümlichen Güter Im Markt Poisdorf, Herm-Bumgarten ..
1596 April 22, Feldsberg: Hans Bernhard Fünfkirchen zu Steinabrunn verkauft an Karl v. Liechtenstein- Nikolsburg - auch für seine Brüder Maximilian und Gundacker - den oberen und unteren Freyhof im Markt Poistorff, den Freyhof im Markt Böhamischen Khruth samt Zugehör, den Freyhof zu Hermpaumbgartten ... , dann die Zehente und Dlenste zu Feld und zu Dorf in Poistorf, ....
1597 Der Grundherr besaß auch die „Schandsgerechtigkeit“ die eine gute Einnahmsquelle war.
Der Markt Poysdorf kaufte sie den Liechtensteinern 1597 ab.
Die Mühle fehlt im Liechtenstein Urbar von 1596; statt derselben war der Liechtensteinische „Hündische Hof mit Stadel und Garten verzeichnet. Der Hof sollte nach einem Erbeinigungsbrief von 1606 stets bei der Herrschaft Wilfersdorf bleiben. (Mühlen im Weinviertel.S.106,127).
1606 Familienvertrag. Fürst Gundaker erhält die Güter Wilfersdorf, Mistelbach, Poysdorf und Ringelsdorf.
1628 kaufte Sebastian von Mangen den Besitz der Froschmühle, Die Familie Mangen eignete sich den alten „Hündischen Hof der Liechtenstein an und erbaute die „Drechselmühle“(Attenbrunnermühle). (Johanna Mattner-Geschichte der Stadt Poysdorf.S.76).
Im Dreißigjährigen Kriege bereicherten sich viele Bauern mit fremden Äckern, was bei den unruhigen und rechtlosen Zeiten leicht geschehen konnte. So verschwand z.B. In Poysdorf der „Hündische Hof", der dem Liechtenstein gehörte: ebenso die Grundstücke der Wilfersdorfer Herrschaft.
Sehenswürdigkeiten
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