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Gemeindeamt Schrattenberg

Schrattenberg

Schrattenberg ist eine eigenständige Gemeinde mit ca. 850 Einwohnern im Weinviertel, im nördlichen Niederösterreich direkt an der Grenze zur Tschechischen Republik gelegen.

Seit dem Jahr 1989 besteht ein Grenzübergang für PKW. Das Gemeindegebiet erstreckt sich über eine Fläche von ca. 19 Quadratkilometer, 60% Ackerbau, 25 % Weingärten, 10 % bewaldet, der Rest ist Bauland, Verkehrswege und sonstige Flächen wie Biotope und Grünanlagen.

Schrattenberg blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück, die bis in die Bronzezeit reicht und wurde 1184 erstmals urkundlich erwähnt. Chroniken berichten von wiederkehrenden Pestausbrüchen, verheerenden Großbränden, kriegerischen Horden und zerstörerischen Unwettern, die das Leben der Bewohner prägten. Wer mehr über diese ereignisreiche Vergangenheit erfahren möchte, dem sei das 2011 erschienene Buch „Geschichten und Erzählungen aus Schrattenberg im Weinviertel“ empfohlen.


Der Name Schrattenberg

Der Ursprung des Namens Schrattenberg ist nicht eindeutig geklärt. Möglicherweise leitet er sich vom norddeutschen Wort „Schrade“ (leer, entblößt) oder dem bayrischen „Schratt“ ab. "Schratten" sind Waldgeister, denen die Bewohner Zauberkräfte zuschrieben und die als Beschützer der Menschen, des Weines und der Weinkeller verehrt wurden.“ (https://schrattenberg.gv.at/tourismus-und-kultur/wissenswertes-zu-schrattenberg/geschichte).



Das Wappen von Schrattenberg

Das Wappen von Schrattenberg ist ein von Blau auf Rot gespaltener Schild. Rechts zeigt es eine goldene Weinranke, die auf den Weinbau hinweist, links drei silberne Bögen, die für die drei Edelknaben des Geschlechts der Schretenberger stehen. Es wurde der Gemeinde 1984 anlässlich der 800 Jahr Feier verliehen.


Geschichte des Ortes bis zu den Liechtensteinern

Funde aus der Latènezeit (480 bis 15 v.Chr.) beweisen, dass der Ort schon damals besiedelt war. 1913/14 wurden drei Keltengräber mit Grabbeigaben entdeckt, welche im Naturhistorischen Museum Wien lagern.

12. Jahrhundert: Ortsgründung im Zuge der Christianisierung und Besiedlung durch das Bistum Passau. Errichtung eines "festen Platzes" als Holzbau zum Schutz gegen Feinde aus dem Norden.

1184: erstmalige Nennung von Schrattenberg: Chadiloh de Schratinberch verkauft Grundstücke an Bernharden von Putten.

1192: Tausch von Feldsberg und Umgebung gegen das Gut Gnas durch das Bistum Passau; Durch Wichard von Seveld begann die Ära der eigenständigen Herrschaft der Truchsesse in Feldsberg, bevor das Gebiet später an die Kuenringer und schließlich an das Haus Liechtenstein überging.

1256: Erste Erwähnung von Otto de Schretinperge. In der Erbfolge um 1460 erscheinen „Drei Edelknaben“, welche Festen und Feiern sehr zugetan waren. An sie erinnern die drei übereinanderstehende Silberbögen im Wappen der Gemeinde Schrattenberg.

1269: Das Geschlecht der Truchsesse von Feldsberg stirbt mit Albero aus.

1271: Johann I. von Liechtenstein erhält Potendorf, ein benachbartes Dorf zu Lehen. Potendorf war gemäß dem Urbar der Liechtensteinschen Herrschaften von 1414 auf halber Strecke zwischen Herrnbaumgarten und Katzelsdorf gelegen, ist vermutlich von König Mathias Korvinus, der im Jahre I486 die Stadt Feldsberg einnahm, zerstört worden.

1307: Erste Erwähnung eines Weingartens in „Schreteperig“ durch Wilhelm von Poumgarten.

1371 belehnte Herzog Albrecht den Graf Johann von Liechtenstein zu Nikolsburg mit dem Dorfe Potendorf nach dem Ableben von Heinrich von Wallsee-Drosendorf und seiner Gattin Katharina, Tochter des Otto von Kaya.


1391 erwarb Graf Johann von Liechtenstein zu Nikolsburg von Friedrich von Potendorf dessen „ererbten Antheil an dem Hofe zu Schrattenberg mit dem Theimholze bei Feldsberg, ferner Gülten, Rechte und Zehente zu Ginzersdorf, Reinthal, Böhmischkrut, Potendorf“.

Im Urbar 1414 sind die Liechtensteiner bereits zum größten Teil im Besitz des Ortes. Im Urbar erwähnt werden 1 Ganzlehen, 3 Halblehen, 12 Hofstätten, 4 Fleischbänke und eine Mühle.

Ab 1466 waren die Liechtenstein die wichtigsten Grundherren in Schrattenberg.

1504: Teilungsvertrag im Hause Liechtenstein; Feldsberg und Schrattenberg fallen an die Feldsberger Linie, an Georg V.

1528 verkündete in Nikolsburg der Bischof der Wiedertäufer Balthasar Hubweger unter dem Schutze der Liechtensteiner seine Lehre. Schrattenberg blieb bis zum Jahre 1600 protestantisch.

1590 besaß Johann Septimius v. Liechtenstein die Ortsobrigkeit und 107 Häuser (von 117), während Georg Friedrich v. Razschin 1 Hof samt den dazugehörigen 9 Häusern versteuerte.

1599: Karl von Liechtenstein tritt zum katholischen Glauben über und wird 1608 in den Fürstenstand erhoben.



Kriegerische Handlungen, Seuchen, Feuer und Unwetter

1278, 1326 und 1336: Während der häufigen Grenzkriege mit Böhmen wurden Häuser in Brand gesteckt und die Ortschaft geplündert.

1425: Es gilt als sicher, dass Schrattenberg in diesem Jahr während der Hussiteneinfälle verbrannt und zerstört wurde, auch das benachbarte Feldsberg ging in Flammen auf.

1543: Böhmische Krieger brannten den Pfarrhof in Feldsberg „ganz nieder“, wobei auch Schrattenberg schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde.

1605 fiel der ungarische Rebell Stephan Bocskai mit einem Heer in Mähren und Niederösterreich ein, belagerte Feldsberg und verwüstete die Umgebung.

1620 begann für Schrattenberg der 30-jährige Krieg mit feindlicher Besetzung:

„den 3. August anno 1620 ist Herr Obrister (Oberst) Peter Kholobascha mit

siebenhundert (frey herggeschückthen) in der Vorstadt ankommen, alles

gewalttätig, aufgeschlagen und verderbt, welche mit ihrens unersättlichen Essen

und Trinken, sowohl Verderbung des Hafer, Gersten und andern Fruchten im Wald

derin die Roß bis an die Bauch stehen müßen.., .wie sie denn noch in Häusern die

Fenster und Öfen alles zerschlagen, Küsten (Kisten) und Kasten zerhackt und

aufbrochen, daß manche von dem jenigens entlaufen, noch hungers und kümmere

verderben müssen, der Nachbarschaft ein unerschwinglicher Schaden zugefügt welchen zu erzählen unmöglich“.


1645 kamen schwedische Truppen, plünderten, raubten, quälten Einwohner bis zum Tode und zerstörten den Ort. Nach den Verwüstungen durch den Dreißigjährigen Krieg und dem Abzug feindlicher Truppen brach im Ort die Pest aus. Dieses Unglücksjahr gilt als der wahrscheinliche Ursprung der Schrattenberger Wallfahrt nach Maria Moos, Zistersdorf.

1680, 1723 hielt die Pest ebenfalls Einzug in Schrattenberg.

1685, 1701, 1788, 1817, 1854, 1882 verheerten Brände teilweise den gesamten Ort einschließlich Kirche und Turm.

1805, 1809 ziehen die Armeen Napoleons durch die Region und brachten Einquartierungen und Kriegssteuern.

1822 besitzen die Liechtenstein die Ortsobrigkeit und die ausschließliche Grundobrigkeit, zugehörig zur Herrschaft Feldsberg.

1866 rückten preußische Kürassiere vom I. Armee Korps 1.Division von Garschönthal kommend im Ort ein und blieben zwei Wochen.

1845, 1894, 1903 zerstörten Hagelunwetter die Ernte und Häuser.

1927 stand das Wasser in den Häusern an beiden Seiten des Bachen 1 m hoch.


Spuren der Liechtensteiner

Der „Fürstenweg“ ist die von Schrattenberg über die Grenze nach Valtice/Feldsberg führende Straße.

An einem Keller in der Nebenstraße des Fürstenwegs ist eine Marmortafel angebracht, die an einen Besuch des Fürstenpaares am 17.Februar 1849 erinnert.

1817–1823: Bau der Raistenkolonnaden im damaligen Gemeindegebiet.

Die Liechtensteiner bewirtschafteten den aufgelassenen „Wolfsteich“ bis 1971, jetzt Ackerland, und besitzen noch immer Wald und landwirtschaftliche Flächen in Schrattenberg.


Liechtenstein als Förderer und Helfer des Ortes

Das Fürstenhaus war ein Wohltäter für die Bevölkerung, die Pfarre und Kirche. Es spendete regelmäßig Geld und Naturalien.

Fürst Anton Florian von Liechtenstein führte 1713 den „Körneraufgabs-Achtelfonds“ ein, eine Abgabe von Saatgetreide für eine Versicherung, mit der die Bauern bei Missernten und Naturkatastrophen unterstützt wurden.

Bei Pestepidemien wies das Fürstenpaar die Feldsberger Hofverwaltung an, Hilfslieferungen in die Dörfer zu senden, um das Elend des Volkes zu mildern und die Genesung Erkrankter zu fördern. Einmal in der Woche kamen Pferdefuhrwerke und die Knechte entluden die Säcke mit Fleisch, Brot, Obst und Gemüse. Fässer mit Wein- und Kräuteressig stellten sie ebenfalls ab.

Nach dem Großbrand 1854 spendete das Haus Liechtenstein Geld für die Bedürftigsten, streckte den gesamten Bedarf an Mauer- und Dachziegel vor, der erst innerhalb von 3 Jahren zum Erzeugerpreis zu begleichen waren und lieferte das erforderliche Bauholz zu mäßigsten Preisen.


Zusammengestellt von Horst Obermayer MSc. nach Unterlagen von Wikipedia der Homepage von Schrattenberg, der Unterstützung von Vize Bgm Johann Thiem, Helmut Kaufmann und einer Vorlage von Hans Huysza - Liechtenstein Museum Wilfersdorf

Gemeindeinfo

Hauptstraße 25, 2172 Schrattenberg bei Poysdorf, Österreich

Sehenswürdigkeiten

Pfarrkirche Johannes der Täufer und Dreifaltigkeitssäule in Schrattenberg, Niederösterreich. Beide Objekte stehen unter Denkmalschutz.

Schrattenberg Kirche 3 Faltigkeit

Mistelbach

Gallerie

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